Samhain, Allerheiligen, Allerseelen oder doch Ahnenfest

Ende Oktober, die Uhren sind auf Winterzeit umgestellt. Aus Sicht der Mythischen Legenden öffnen sich jetzt die Pforten der schwarzen Göttinnen des Todes und der Unterwelt, die Zerstörerinnen und die weisen Alten.
Hel, Hekate, Kali, Ereskigal in jeder Religion trugen sie einen anderen Namen. All diese Namen sind Herrscherinnen der dunklen Welt, Hel als Beispiel lebt in der Höhle der Wiedergeburt unter den Wurzeln des Weltenbaumes Yggdrasil. Am Eingang wacht der Höllenhund Garm. Ihr Reich ist von einem reinigenden Feuer erfüllt. Zieht über das Land eisige Kälte und finstere Nächte, sitzt sie am Feuer und spinnt am Schicksal der Menschen. Sie wird oft mit der Göttin Holla gleichgesetzt. Den Eingang in ihre Welt, findet man am besten an einem Holunderstrauch.
Viel ist aus der Sagenumwobenen Zeit nicht mehr geblieben. Aus Amerika schwappt immer mehr ein Fest Namens Halloween ins Land. Einfach nur gruselig, wenn ich sehe welch wunderbare Bräuche und Sitten einstmals in unserer Heimat existierten. Aus meiner Betrachtungsweise ist das Einzigste was Geblieben ist, der Totensonntag am 1.November wo unsere Ahnen geehrt werden. Heerscharen von Menschen sieht man Richtung Friedhof ziehen um die Gräber zu schmücken und Winterfest zu machen. Doch mal ehrlich, wer zieht heute noch den Rat der Verstorbenen beim mindestens 10 tägigen Stammesfest mit ins Gespräch und holt sich deren Rat.
Was ich jedoch wahrnehme ist er Rückzug der Natur. Sie hat sich fast zur Ruhe begeben. Der Saft der Bäume zieht sich zu den Wurzeln zurück und wenn im November Frau Mond ganz dunkel wird. Ist auch für uns eine gute Zeit für einen Rückzug. Zeit das Tempo herunter zu schrauben, Zeit den Duft der bunten Blätter zu atmen, Zeit in dicken Nebelschwaden und kalten Regen spazieren zu gehen, Zeit für entspannende Musik, eine dicke Decke über den Knien, dampfenden Tee und Kerzenschein. Zeit köstlichen Duft und Rauch aufsteigen zu lassen. Zeit in den ewigen Kreislauf zu schauen und die Erfahrungen des Jahres zu verarbeiten. Zeit der eigenen Wahrheit ins Auge zu schauen. Denn schon wieder geht ein Jahr zu Ende.
Zumindest für Menschen, die Natur und Mutter Erde als Religion gewählt haben. Diese zeigt uns gerade, ganz intensiv, dass unser Leben ein ewiger Kreislauf ist und jeder Einzelne von uns ein Bestandteil dessen. Es gibt kein Leben ohne den Tod. Daher ist es eine gute Zeit, sich mit dem Vergehen, der Vergänglichkeit, dem Abschiednehmen und der Trauer in uns zu beschäftigen.
Es ist eine gute Zeit, in die tiefen unserer Seele einzutauchen und die Seite in uns zu besuchen, die wir normalerweise vor anderen und vor uns selbst verstecken oder gar ablehnen. Dort finden wir die Gefühle und Erlebnisse, die wir so gern vergessen oder verdrängen wollen. Es können Schmerzen von alten Verletzungen die uns zugefügt wurden sein. Oder es gären in uns Wut, Ohnmacht, Rache oder Hass, die wir nicht wahr haben wollen. Vielleicht sind es auch tiefe Schuld- und Schamgefühle, die uns schmerzen oder noch immer verletzen.
Doch alles was wir in unser Unterbewusstsein verbannen, löst sich dort nicht von allein auf. Diese Gefühle gären weiter und wenn wir uns nicht trauen sie anzuschauen, überfallen sie uns eventuell in Träumen oder kommen als Gestalt eines Menschen immer wieder ins Leben zurück. Sie verschwinden nicht von allein, nach dem Motto Deckel drauf und vergessen. Nein, irgendwann zeigen sie sich als Signale des Körpers, in Konflikten und Streit. Wie ein vergorener Sud in einem Schraubglas, platzt wenn alles zu viel wird der Deckel und heraus kommt eine stinkende Masse. Dann ist es oftmals zu spät, sich Hilfe zu suchen.
Diese dunkle Zeit gibt jeden von uns die Möglichkeit, sich mit solchen Themen auseinander zu setzen. Der Wahrheit ins Auge zu schauen und in Eigenregie oder mit professioneller Hilfe, an Dingen die in uns verborgen liegen, zu arbeiten. Habe den Mut, gib den Dingen einen Raum und dann gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten sie loszulassen, sich selbst zu vergeben und das Schicksal neu spinnen zu lassen.
Schau genau hin, nimm all die Gefühle die Dir gehören wahr und entscheide was Du für ein glücklicheres Leben von all dem wirklich benötigst.
In unserem Frauenkreis, werfen wir so etwas gern ins Feuer und singen ein Mantra dazu. Manchmal braucht unser Gehirn kleine Rituale. Du kannst sie auch auf einen Zettel schreiben und am Fuße des Hollerbusches vergraben. So wie das Papier zu Erde wird und Bestandteil des Kreislaufes ist, kannst auch Du in der dunklen Zeit, Wut, Hass und Groll in Erde verwandeln. Meine langjährige Arbeit mit solchen Ritualen hat mir gezeigt, dass Menschen die mit einem stillen Geist und einen festen Glauben an Veränderung, ihre Welt damit geheilt haben.
Solltest Du davor Angst haben oder es sind zu viele Dinge die Du nicht allein lösen kannst, dann trau Dich und hole Dir Hilfe. Denn niemand ist dafür geschaffen zu leiden.
Alles Liebe und eine wundersame dunkle Zeit wünscht Euch Grit

 

samhain

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