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Bewusst zwischen Wahrnehmung und Gedanke

Wie lang hast du gebraucht zwischen dem betrachten des Bildes und dem ersten Gedanken dazu? Eine Sekunde, zwei Minuten? Sei ehrlich, die Antwort hört ja niemand.
Der Wonnemonat Mai birgt unzählige Augenblicke. Farben wohin das Auge schaut, ein Gewirr aus Vogelstimmen, die Luft riecht besonders intensiv, der bittere Geschmack des Löwenzahns bringt die Geschmacksknospen zum Erblühen und ein Spaziergang in der Natur birgt Wunder und dein Parasympathikus jubelt, es sei denn die Hamsterradgedanken setzen ein und es kommen Gedanken, wie:
Oh, wie bist du schön! Schade dass der Stengel so krumm ist. Diese Farbe, ich muss sofort im PC nach der Farbnummer schauen. Jetzt lauf ich hier rum, glotze eine doofe Blume an und soll entspannen? Ich muss noch die Bügelwäsche erledigen und die Steuerklärung ist auch noch nicht fertig. Ob ich diese Blume abschneide, sie würde in der kleinen Vase richtig gut aussehen? Was wird mein Chef morgen wohl für eine Laune haben? ……. U.v.m.
Kommt dir das bekannt vor?
Gratulation, dein Verstand hat gesiegt. Wie geht es deinem Körper dabei?

Tipp: Beobachte einmal die Stille zwischen zwei Gedanken.

Ich wünsche Dir einen wunderschönen Monat Mai.

 

Neun Kuh Frau

Ich bekam heute eine Gute Nacht Geschichte geschenkt, als ich um einen Erkenntnisjuwel des Buches “Wahre Liebe im Alltag – das Erschaffen authentischer Beziehungen” von Clinton Callahan bat.
Danke dafür.

Die Neun-Kuh-Geschichte
Von der Hoffnung getragen, das Paradies zu finden, segelten die Freunde Mike und Bill über die weiten des Meeres. Eines Tages gerieten sie in einen furchtbaren Sturm. Der Sturm wütet die ganze Nacht und schließlich zerschellt ihr Boot an einem Riff und die beiden können sich mit letzter Kraft auf eine nahe gelegene kleine tropische Insel retten. Erschöpft bleiben sie am Strand liegen.

Am nächsten Morgen entdecken die Eingeborenen die beiden durchnässten und ausgezehrten Männer. Sie bringen sie in ihr Dorf, geben ihnen trockene Kleider und versorgen sie mit Nahrung.

Am Abend dann sitzen Mike und Bill mit allen Einwohnern des Dorfes am Feuer und nehmen gemeinsam mit ihnen das Abendessen ein. Mike starrt dabei unablässig eine Frau an, die das Essen serviert. Er stößt seinen Freund an und sagt: „Siehst du diese Frau da? Sie ist meine Frau.“

Bill antwortet entsetzt: “Was? Sag mal, hast du zu viel Salzwasser geschluckt? Sieh sie dir doch mal an. Ihre Haare hängen ihr wirr ins Gesicht, ihre Schultern hängen herunter, sie hat eine riesige Lücke zwischen den beiden Vorderzähnen und außerdem ist sie auf alle stinksauer.“

Aber Mike bleibt dabei: „Sieh du sie dir einmal an. Sie ist so wunderschön.“ „Komm schon, Junge!“ fleht Bill ihn an. „Vergiss es! Morgen kommen wir hier weg. Wir leihen uns ein Auslegerkanu und segeln zu einer größeren Insel, von wo aus wir nach Hause fahren können und du dir eine richtige Frau suchen kannst.“

„Kommt überhaupt nicht in Frage“, sagt Mike geflissentlich. „Ich werde mich hier keinen Zentimeter wegbewegen. Ich habe die Frau meines Lebens gefunden. Ich werde sie heiraten und den Rest meines Lebens hier mit ihr verbringen!“

Bill traut seinen Ohren nicht. Er fängt an, seinen Freund zu schütteln. „Mike, wach auf! Was ist nur in dich gefahren?“ Doch Mike bleibt unerschütterlich.

Auch am nächsten Morgen hat Mike seine Meinung nicht geändert. Die Woche darauf auch nicht. Schließlich baut sich Bill ein Floß aus Bambus und Schilfmatten und segelt alleine zurück in Richtung Heimat. Mike aber bleibt auf der Insel.

Nachdem Bill abgefahren ist, begibt er sich zum Häuptling. „Hallo Häuptling“, sagt er. Der Häuptling gibt nur ein Grunzen von sich: „Hmm.“ Mike fährt fort: ,,Hör mal zu Häuptling, diese Frau – die eine mit den wilden Haaren und der Lücke zwischen den Zähnen. Ich werde sie heiraten.”

Daraufhin entgegnet der Häuptling: ,,Nun, wenn du in unserem Dorf eine Frau heiraten willst, musst du für sie bezahlen. Jede Frau hat einen anderen Wert, irgendwo zwischen einer Kuh und neun Kühen. Die Frau, die du willst, die kannst du für …”, er hält kurz inne “… drei Kühe haben."

An dem Punkt wird Mike richtig zornig. „Das ist keine Drei-Kuh-Frau", ruft er. „Das ist eine Neun-Kuh-Frau!“

Der Häuptling fängt an zu lachen. ,,Eine Neun-Kuh-Frau? Sie? Hast du dir nicht ihre herunterhängenden Schultern angesehen? Die Art, wie sie sich kleidet? Wie sie auf jeden sauer ist? Sie ist noch nicht einmal eine Drei-Kuh-Frau. In Wirklichkeit ist sie nur zwei Kühe wert. Aber ich habe drei gesagt, damit wir Spielraum zum Handeln haben."

„NEIN!", beharrt Mike. Das ist eine Neun-Kuh-Frau. Ich werde sie heiraten und ich werde neun Kühe für sie bezahlen!"

Der Häuptling entgegnet: ,,Du bist nicht nur dumm, du bist verrückt. Das kann ich nicht machen. Wenn ich das tue, wird das gesamte Wertesystem unserer Stammesfrauen zerstört." Er studiert eine Weile den unbeugsamen Blick in Mikes Augen und sagt schließlich: „In Ordnung, du kannst es so machen. Du kannst neun Kühe für sie bezahlen. Ich werde dich einfach als Beispiel für einen verrückten Amerikaner hernehmen."

Mike antwortet: ,,Es ist mir völlig egal, was du deinen Leuten erzählst. Ich werde jedenfalls neun Kühe für diese Frau bezahlen." Da Mike kein Geld hat, arbeitet er über ein Jahr lang sehr hart und hilft vielen Menschen, um die neun Kühe zu verdienen. Schließlich heiraten er und die Frau.

Einige Jahre später kommt Bill mit seinem neuen Segelboot zurück auf die Insel. Er geht vor Anker, rudert mit einem kleinen Boot zur Küste und geht geradewegs in das Dorf, wo er nach seinem alten Freund sucht. Als er ein paar Eingeborene sieht, sagt er: „Hallo, ich bin einer der beiden, die vor ein paar Jahren vor eurer Insel Schiffbruch erlitten haben. Erinnert ihr euch an mich? Ihr habt euch um mich und meinen Freund Mike gekümmert. Erinnert ihr euch?" „Ja", sagen sie. „Wie geht's dir?" Bill erwidert: ,,Großartig. Hey, mein Freund Mike, ist der immer noch hier? Was ist mit ihm passiert?"

Die Dorfbewohner deuten auf einen Punkt am Strand und sagen: „Er wohnt in dem Haus am Ende dieses Pfades." Bill ist nun ganz aufgeregt und läuft den Weg hinunter zu dem beschriebenen Haus. Er klopft an die Tür und eine wunderschöne Frau öffnet. „Ja bitte?" sagt sie.

Bill starrt sie nur an. Schließlich sagt er: ,,Ich bin einer von den beiden, die vor ein paar Jahren hier am Riff gestrandet sind und jetzt suche ich nach meinem Freund Mike. Wohnt er hier?" Er hat das Gefühl, am falschen Haus gelandetzu sein.

„Ja, er ist hier", sagt die Frau und tritt beiseite. ,,Komm doch bitte herein."

Bill steigt die Treppe hinauf, Mike sieht ihn und im selben Moment fallen sich die beiden Freunde um den Hals und lachen. Sie setzen sich und fangen an, Geschichten auszutauschen. Die Frau bringt ihnen frischen Mangosaft. Danach heißen Tee und ein köstliches, üppiges Mahl mit scharfer Kokosnussmilch und frischem Fisch mit Reis.

Nach einer Weile sagt Bill zu Mike: „Hey, ich muss dich was fragen. Als wir hier vor ein paar Jahren gestrandet sind, bist du durchgedreht. Erinnerst du dich? In der Nacht saßen wir am Lagerfeuer und du hast diese unmögliche Frau mit den herunterhängenden Schultern und dem wirren Haar angestarrt. Du hast gesagt, ,Das ist meine Frau'. Erinnerst du dich?“

Mike sagt: „Ja, ich erinnere mich."

„Was ist denn aus

ihr geworden?" , fährt Bill fort. „Ich dachte, du hättest völlig den Verstand verloren. Du wolltest nicht mit mir nach Hause fahren. Du bist wegen dieser Hexe hier geblieben. Jetzt hast du dieses großartige Haus im Paradies und lebst mit dieser wundervollen erotischen Inselkönigin. Ich bin froh, dass du zur Besinnung gekommen bist. Aber was ist denn eigentlich aus dieser ersten Lady geworden?"

Mike deutet auf die Küche und sagt: „Ich habe sie geheiratet. Sie hat dir die Tür geöffnet, dich willkommen geheißen und für uns das Essen zubereitet. Das ist sie."

„Auf keinen Fall!", sagt Bill. Das ist sie nicht. Niemals. Die andere Frau trug Lumpen. Ihr Geist war ruiniert. Sie war dürr und sauer auf jeden. Das ist sie nicht! Sieh mal, diese Frau ist eine Göttin. Sie ist wunderschön. Sie strahlt und ist voller Liebe und Zuversicht. Ihre Augen leuchten! Das ist nicht diese andere Frau. Du lügst mich an!"

Mike sagt: „Nein. Ich lüge nicht. Das ist meine Neun-Kuh-Frau." „Das glaube ich nicht!", sagt Bill.

Daraufhin ruft Mike seine Frau: „Entschuldige Maria", sagt er. „Würdest du bitte zu uns kommen und meinem Freund erklären, wer du bist?"

Sie kommt also her und setzt sich zu ihnen an den Tisch. Sie lächelt Bill mit einfacher Freude an und sagt: „Ja, ich bin es wirklich." Und während sie lächelt, kann Bill die Lücke zwischen ihren beiden Vorderzähnen sehen und er erkennt, dass sie es tatsächlich ist. Er ist verblüfft.

„Ich kann das einfach nicht glauben", sagt er und schüttelt den Kopf. ,,Was ist mit dir passiert? Ich hab gesehen, wie du damals warst. Du warst ein abgemagertes, wütendes, chaotisches Etwas. Was ist passiert?"

Sie deutet auf Mike, lächelt wieder und sagt: „Das war er. Er hat das gemacht." „Was meinst du damit?", fragt Bill.

„Nun ja", beginnt Maria behutsam. „Seit ich ein kleines Mädchen war, wusste ich, dass ich eigentlich nur eine Zwei-Kuh-Frau war. Jeder im Dorf, meine Freunde und Familie mit eingeschlossen, betrachteten mich als Zwei-Kuh-Frau und verhielten sich dementsprechend zu mir. Dann kommt Mike und sagt mir, ich sei neun Kühe wert. Anfangs habe ich mich gewehrt. Aber dann hat er tatsächlich die neun Kühe bezahlt – neun Kühe! Für mich! Und zur Hochzeit organisiert er eine Neun-Kuh-Hochzeitsfeier.

Ich trage ein Neun-Kuh-Hochzeitskleid! Ich! Und dann baut er mir dieses traumhafte Neun-Kuh-Haus. Ich sehe, wie er schwitzt, das Holz sägt, die Bretter trägt und das Dach deckt. Ich sehe, dass er seinem Vorgehen vollständig vertraut. Und jeden Abend, ich meine wirklich jeden Abend, führt er eine Neun-Kuh-Schulter-und-Fußmassagen-Zeremonie durch. Jeden Morgen verwöhnt er mich mit einer Neun-Kuh-Frühstückstee-Zeremonie im Bett. Anfangs konnte ich damit nicht umgehen. Es war kein Zuckerschlecken mit mir. Aber ich konnte nichts machen, um ihn umzustimmen.

Selbst jetzt weigert er sich, davon abzulassen. Er spricht mit mir nur wie mit einer Neun-Kuh-Frau. Er weicht nicht von seiner Haltung ab. Er behandelt mich in jeder Weise wie eine Neun-Kuh-Frau. Er stellt mich sogar jedem als eine Neun-Kuh-Frau vor. Irgendwann habe ich mich dann geschlagen gegeben. Ich konnte keine Einwände mehr dagegen erheben. Meine alte Meinung über mich selbst schwand dahin. Ich hatte keine Wahl. Ich begann mich durch seine Augen zu erfahren. Ich wurde zu einer Neun-Kuh-Frau.“

Einige Minuten lang herrschte Stille. Man konnte hören, wie die Wellen sanft gegen das Korallenriff schlugen. Dann sah Bill zu Mike hinüber und fragte: „Hast du das gemacht, um sie glücklich zu machen?“

Mike sagte: „Ich habe das gemacht, weil ich mit einer Neun-Kuh-Frau leben wollte.“

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